Der Herbst, der nun im Jahreskreis erwacht,
erzählt von Wandlung und von stiller Kraft.
Die Natur, sie spiegelt mir von Angesicht zu Angesicht
und hält mir liebevoll mein inneres Licht.
Die Blätter tanzen golden durch die Lüfte,
der Wind trägt fort die sommerlichen Düfte.
In bunten Farben leuchtet nun das Land,
als hielte es alles Leben sanft in seiner Hand.
Die Bäume lassen los, was nicht mehr hält,
und schenken mir ihre buntesten Farben in dieser Welt.
Was gestern noch in voller Blüte stand,
knüpft der Erinnerung ewiges Band.
Der stürmische Wind zieht übers Land,
nimmt manche Last mir aus meiner Hand.
Er rüttelt wach, was lange still gewesen,
und lässt mich manchmal zwischen seinen Böen lesen.
Denn auch in mir darf Altes nun zyklisch vergehen,
damit kann Neues in mir auferstehen.
Was nicht mehr trägt, darf weiterziehen,
was mich erfüllt, darf keimen und seine tiefen Wurzeln ziehen.
Wenn draußen sich die Tage leise neigen
und sich die Nebel über Wiesen zeigen,
wenn lange Nächte kurze Tage bringen
und leise mir die Abendstunden singen,
dann lädt mich diese Jahreszeit zum Ruhen ein,
zum Innehalten und zum Bei-mir-selber-Sein.
Nicht alles muss im Außen sichtbar werden,
Leben wächst und gedeiht in der Tiefe von Mutter Erden.
Vielleicht ist gerade dieses stille Werden,
eines der größten Wunder hier auf Erden.
Denn nicht nur Blüten tragen ihren Sinn,
manchmal liegt in der Stille ein Neubeginn.
So darf ich im Herbst mal langsamer gehen
und liebevoll auf mich und mein Inneres sehen.
Was braucht mein Herz? Was möchte ich bewahren?
- Was darf sich wandeln nach so vielen Jahren?
Welche Wünsche schlummern tief in mir?
- Welche Sehnsucht öffnet neue Türen hier?
Was habe ich zu lange aufgeschoben?
- Welche Träume möchten neu nach oben?
Der Herbst erinnert mich auf sanfte Weise:
Das Leben fließt natürlich auf seiner eignen Reise.
Es gibt ein Werden und ein Vergehen,
ein Kommen und ein Weitergehen.
Nichts bleibt für immer, wie es einmal war,
und doch ist jedes Ende wunderbar.
Denn wo ein alter Weg zu Ende geht,
ein neuer Anfang oft schon vor uns steht.
So wie der Baum sein buntes Kleid verliert
und dennoch seine Lebenskraft nicht erfriert,
so darf ich im Herbst voll Vertrauen loslassen
und neue Wege in Gedanken fassen.
Und wenn der Wind die letzten Blätter trägt
und sich die Stille der Dunkelheit über alles legt,
dann darf ich innerlich zur Ruhe kommen
und fühlen, was ich lange nicht vernommen.
Vielleicht wächst gerade in den stillen Stunden,
die Kraft, die ich in der Hitze des Sommers nicht gefunden.
Vielleicht finde ich im leisen Innehalten,
den Mut und die Kraft, mein eigenes Leben neu zu gestalten.
So wünsche ich mir in dieser bunten Herbstzeit,
ein Herz voll Wärme und Gelassenheit,
den Mut zu gehen, wenn Wege sich verändern,
mit Zuversicht zu neuen Ufern und fernen Ländern.
Ich wünsche mir die Kraft, auch loszulassen
und vertrauensvoll das Leben neu zu fassen.
Den Blick für das, was wirklich wirklich wichtig ist und in mir zählt,
mit Dankbarkeit für alles, was mich trägt und hält.
Mögen Wünsche wieder Flügel tragen
und die Menschheit sich wieder nach dem tiefen Sinn des Lebens fragen.
Möge die Hoffnung in allen Menschen Wurzeln schlagen
und alle Herzen sich an ihre Träume wagen.
Denn auch wenn draußen die Natur nun schweig
und sich der Himmel oft in Grau uns zeigt,
so ruht im Innern schon das neue Leben,
das uns im Frühling seine bunten Blüten wird geben.
Der Herbst lehrt uns das Loslassen in Liebe,
das Vertrauen, dass nichts verloren bliebe.
Denn alles wandelt sich im großen Kreis,
auf seine stille, wundersame Weis.
Und wenn wir lernen, mit dem Wandel zu gehen
und auch im Dunkeln noch das Licht zu sehen,
dann wird der Herbst zu einer stillen Zeit,
voll Liebe, Hoffnung und Geborgenheit.
So nehmen wir an, was das Leben uns schenkt,
und vertrauen dem Weg, denn das Leben ist es das uns immer führt, leitet und lenkt.
Und in jedem Ende liegt ein Anfang verborgen,
und in jeder Nacht ruht das Licht von morgen.
Quelle: Kerstin Angelika Röder 04.11.2026